Grundpfeiler der synchronen Lehre

Zur gleichen Zeit am gleichen Ort lehren und lernen – egal, ob in reeller oder virtueller Präsenz: das Szenario der sogenannten synchronen Lehre prägt den Hochschul-Alltag entscheidend. Auch wenn Hochschullehre oft durch asynchrone Formate ergänzt wird, bleibt das (Aufeinander-)Treffen von Lehrperson und Lernenden von besonderer Bedeutung. Umso wichtiger ist es, dass es für beide Seiten erfolgreich ist. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Grundpfeiler der synchronen Lehre Sie für ein erfolgreiches Lehr-Lern-Setting setzen können.

Die Merkmale synchroner Lehre

Wie war das noch mal? Genau! In der Didaktik unterscheidet man synchrone und asynchrone Lehre. Während bei Letzterer das Lehren und Lernen zu verschiedenen Zeiten an unterschiedlichen Orten stattfindet, meint das Synchrone solche Lehr-Lern-Einheiten, bei denen sich die Lehrperson und die Studierenden zur gleichen Zeit am gleichen (virtuellen) Ort befinden. So z. B. im Hörsaal oder einer Webkonferenz – also in reeller oder virtueller Präsenz.

Das Besondere an synchroner Lehre ist die gemeinsame soziale Präsenz. Lehrende und Lernende können hier in den direkten Austausch treten und so z. B. Unklarheiten unmittelbar beseitigen. Vor allem Aktivierung und Interaktion werden durch die Gleichzeitigkeit am gleichen Ort möglich. Das sollten Sie ausnutzen. Wie Sie dafür die richtige Basis schaffen, erfahren Sie jetzt.

1. Grundpfeiler: Atmosphäre herstellen

Für das erfolgreiche Zusammenarbeiten in synchronen Lehr-Lern-Einheiten bedarf es der richtigen (Arbeits-)Atmosphäre, welche Sie als Lehrperson unter anderem durch Ihr eigenes Auftreten und Verhalten beeinflussen. Versuchen Sie einen Raum zu schaffen, in dem sich die Teilnehmenden wohl und frei zum Mitmachen fühlen.

Bauen Sie Vertrauen auf

Vertrauen stärkt die Leistungsfähigkeit und Motivation, sorgt für gute Kooperation, schafft Sicherheit und somit auch Mut, Fehler zu machen.

Vertrauensaufbau gelingt durch folgende Aspekte Ihrer Haltung:

  • Wertschätzung (respektvoll miteinander umgehen, auf Augenhöhe begegnen, bereit sein, die Bedürfnisse zu hinterfragen und sich mit den Anliegen auseinanderzusetzen)
  • Ehrlichkeit (Wahrheit sagen oder vielmehr offen kommunizieren)
  • Verlässlichkeit („Walk your Talk“ – nicht nur reden, sondern auch das Wort halten)

Vertrauensaufbau gelingt außerdem durch folgende Aspekte Ihrer Fähigkeiten:

  • Kompetent agieren (wissen, was Sie tun, Fehler offen und ehrlich kommunizieren)
  • Brücken bauen (Teilnehmende nicht allein lassen)
  • Sicher führen (Position als „Captain“ sichtbar machen und entsprechend navigieren)
  • Zuversicht ausstrahlen (Grundoptimismus vermitteln und bei Schwierigkeiten nicht aufgeben)

Und letztlich gelingt Vertrauensaufbau durch Ihr konsistentes Verhalten. Ihr Verhalten sollte zu Ihrer Haltung und Ihren Fähigkeiten passen, denn so vermitteln Sie einen stimmigen und kompetenten Eindruck.

Klären Sie wichtige Aspekte zur Zusammenarbeit

Über das eigene Verhalten sollten nicht nur Sie sich als Lehrperson bewusst sein. Insbesondere zur synchronen Zusammenarbeit müssen zwischen Ihnen und den Lernenden entscheidende Faktoren geklärt sein, damit keine Missverständnisse aufkommen und gelungene Ergebnisse aus ihr resultieren.

Legen Sie z. B. eine “Netiquette” fest, die Sie zu Beginn offen und transparent und womöglich auch wiederholend präsentieren. Hier können Sie allgemeine Aspekte wie Höflich- und Freundlichkeit sowie Pünktlichkeit ansprechen, aber auch konkret benennen, wie Sie sich die Kommunikation oder auch das Verhalten der Studierenden vorstellen. Wenn Sie möchten, ermöglichen Sie Ihren Lernenden, die Netiquette mitzugestalten.

Ermöglichen Sie ein Kennenlernen

Höchstwahrscheinlich ist es nicht notwendig, dass sich alle Teilnehmenden eines Kurses im Detail ihre Lebensläufe präsentieren, über Hobbys, Stärken und Schwächen berichten und am Ende gemeinsam in die Kneipe gehen. Dennoch ist es hilfreich, wenn nicht nur Sie, sondern auch die Kursteilnehmenden untereinander ungefähr wissen, mit wem sie zusammenarbeiten. Je nach Gruppengröße kann also eine Kurzvorstellung der einzelnen Personen den Einstieg in die gemeinsame Kurszeit gestalten, bei größeren Gruppen sind z. B. Abfragen möglich – und dazwischen gibt es viele weitere Methoden, die den Teilnehmenden ein Gefühl zur Zusammensetzung der Gruppe ermöglichen und Ihnen als Lehrperson einen Eindruck verschaffen. Überlegen Sie sich zu Beginn, welches Ziel Sie mit einem möglichen Kennenlernen verfolgen und wie viel Zeit Sie dafür aufwenden können. Neben der Vorstellung, einem Überblick zur Gruppe oder auch den Wissensständen, dient ein Kennenlernen – auf welche Art auch immer – auf jedem Fall der Aktivierung und dem Eisbrechen.

2. Grundpfeiler: Motivation stärken

Die Grundlage für so gut wie jedes Tun ist Motivation. Sie hilft uns loszulegen. Demotivation sorgt dafür, dass wir uns zurücklehnen und keine Lust haben, mitzumachen.

Im Laufe unserer Lehrtätigkeit haben wir von weit&weiter unsere Studierenden gefragt, was Lehrpersonen tun müssen, sodass ihnen jegliche Lernmotivation in synchronen Lehr-Lern-Einheiten vergeht. Hier ein kleiner Auszug:

  • monotones Reden und Folien Durchklicken
  • zu langer Vortrag/zu viel Theorie auf einen Schlag
  • Lehrperson zeigt selbst keine Motivation
  • komplexe Inhalte werden als selbstverständlich abgestempelt
  • Fragen werden nicht beantwortet
  • Lehrperson hat selbst keine Ahnung
  • es gibt keine klaren Ziele oder stumpfsinnige Aufgaben
  • kein Feedback

Nehmen Sie sich diese Aufzählung als “Not-To-Do”-Liste vor und schaffen Sie so eine Grundlage für die Lernmotivation Ihrer Studierenden.

3. Grundpfeiler: Aktivierung erzeugen

Bei diesem Punkt liegt das Geheimnis in der “Aktivierung von Beginn an”. Binden Sie Ihre Studierenden direkt mit ein und vermeiden Sie, dass diese sich erst einmal zurücklehnen und in den Berieselungsmodus verfallen. Starten Sie dabei niedrigschwellig – die Hürde zur Beteiligung, insbesondere in synchronen Lehr-Lern-Einheiten, sollte zu Beginn erst einmal so gering sein, dass sich all Ihre Teilnehmenden trauen, eine Rückmeldung zu geben. Fangen Sie also z. B. mit einfachen Abfragen per Handzeichen oder Ähnlichem an. Im Laufe der Zeit lassen sich die Methoden dann so steigern, dass Sie womöglich hitzige Diskussionen führen, bei denen sich die gesamte Gruppe motiviert fühlt, mitzureden.

4. Grundpfeiler: Interaktion anregen

Sind die ersten Hürden überwunden, können Sie gemeinsam aktiv bzw. interaktiv werden. Interaktion dient nicht nur der Aktivierung, sondern auch dem Austausch und der Diskussion. Die meisten Methoden vereinen die drei Aspekte, sodass sie sich nicht einem bestimmten Ziel zuordnen lassen. Um Ihnen einen Eindruck zu verschaffen, welche Möglichkeiten Sie zur Interaktion in synchronen Lehr-Lern-Einheiten ausnutzen können, soll die nachfolgende Liste helfen. Die Wahl von Methoden basiert dabei natürlich auf der Zielsetzung und den Rahmenbedingungen, die Ihre Lehrveranstaltung mit sich bringt.

  • Fragen stellen und beantworten (lassen)
  • Eisbrecher-/Aufwach-Fragen
  • Bewegung im Raum
  • Aufgaben bearbeiten (lassen)
  • Quiz
  • Abstimmungen
  • Expertise-Runden
  • Think-Pair-Share
  • Kleingruppen-Arbeit
  • One Minute Paper
  • (methodisch) Diskutieren
  • anonyme Rückmeldungen

5. Grundpfeiler: Gewohnheit generieren

Zu guter Letzt sollte die aktive und motivierte Zusammenarbeit in der dazu passenden Atmosphäre zur Selbstverständlichkeit und somit zur Gewohnheit werden. Bringen Sie also Routinen in Ihren Lehr-Alltag. Doch Achtung! Langweilen Sie Ihre Studierenden nicht. Wiederkehrende Abläufe und bekannte Methoden schaffen Sicherheit, doch etwas Abwechslung zwischendurch kann nicht schaden. Finden Sie also einen Mittelweg zwischen bekannten Regelmäßigkeiten und neuen Herausforderungen.

Mit weit&weiter die Grundpfeiler synchroner Lehre vertiefen

Im Workshop “Lehre lernen” verschaffen Sie sich einen Überblick hochschuldidaktischer Grundlagen sowie Methoden und darüber, wie Sie die Planung und Gestaltung Ihrer Lehrveranstaltungen professionalisieren können.

Im Workshop “Lehrveranstaltungsplanung” können Sie im Detail planen, welche Lehr-Lern-Einheiten Sie synchron durchführen möchten und wie Sie diese gestalten.

Und der Workshop “Langeweile ade” liefert Ihnen Ideen, Ihre synchrone Lehre interaktiv und motivierend umzusetzen.

Quellen

  • CareerConcept Management GmbH (2014). Blogbeitrag: Lernen mit allen Sinnen. Online unter: https://studienfinanzierung.de/2014/05/04/lernen-mit-allen-sinnen/ (zuletzt aufgerufen: 24.01.2024)
  • Deci, E. L. & Ryan, R. M. (1993): Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation und ihre Bedeutung für die Pädagogik. In: Zeitschrift für Pädagogik 39.2, 223–238.
  • Keller, J. M. (1987): Strategies for stimulating the motivation to learn. In: Performance and instruction 26.8, 1–7. Online unter: http://terrikrause.com/Content/documents/Keller1987Strategy.pdf (zuletzt aufgerufen: 24.01.2024)
  • KeIIer, J. M. (1987): The systematic process of motivational design. Online unter: http://terrikrause.com/Content/documents/Keller1987Systematic.pdf (zuletzt aufgerufen: 24.01.2024)
  • Kenwright, K. (2009). Clickers in the classroom. In: TechTrends, Vol. 53 Nr. 1.
  • Kerres, M. (2000): Medienentscheidungen in der Unterrichtsplanung: Zu Wirkungsargumenten und Begründungen des didaktischen Einsatzes digitaler Medien. In: Bildung und Erziehung (2000).
  • Luickhardt, A. & Rechthaler, S. (2021): Vertrauen schaffen virtuell. Trainingaktuell 32 (1), S. 42–47.
  • Mietzel, G. (2017): Pädagogische Psychologie des Lernens und Lehrens. 9. aktualisierte und erweiterte Auflage. Göttingen: hogrefe.